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Interview: Was ein Großspeicher-Projekt wirklich ausbremst

Im Gespräch über Netzanschluss-Slots, Multi-Use-Vermarktung, Vertragsgestaltung und die Themen, die in Pressemitteilungen selten auftauchen.

Hinweis der Redaktion: Der Interviewpartner steht zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht für eine namentliche Nennung zur Verfügung. Die Antworten geben den Inhalt eines Hintergrundgesprächs strukturiert wieder; eine namentliche Fassung wird ergänzt, sobald die Freigabe vorliegt.

[Interviewpartner offen — bitte aus offizieller Lieferung ergänzen]

Was war das schwierigste Element im letzten Projekt?

Nicht die Technik. Die Genehmigung und der Netzanschluss. Wir reden über zwölf bis 24 Monate Vorlauf, in dem die Zellpreise sich um 20 Prozent bewegen, das EEG novelliert wird und die regelreserve.net die Anforderungen anpasst. Ein Projekt, das zur Bauphase nicht mehr dasselbe wirtschaftliche Profil hat wie zur Investitionsentscheidung — das ist die Realität.

Wie geht man mit dieser Unschärfe um?

Drei Dinge: Modulare Verträge, parallele Vermarktungspfade, ehrliche Sensitivitätsanalysen. Wer ein Großspeicher-Projekt rechnet, der rechnet nicht mit einer Zahl, sondern mit einer Bandbreite — Spread-Annahmen für die Day-Ahead-Vermarktung können je nach Wetterlage und Marktentwicklung zwischen ein paar Euro und mehreren Dutzend Euro pro Megawattstunde schwanken.

Multi-Use ist das Schlagwort der Branche. Was funktioniert davon wirklich?

Mehr als vor drei Jahren. Die Software ist reif genug, FCR und Spread-Vermarktung parallel zu fahren, ohne dass eine Anwendung die andere blockiert. Was nicht funktioniert: drei oder vier Anwendungen gleichzeitig priorisieren. Da fehlt die wirtschaftliche Substanz, weil jede zusätzliche Anwendung die ersten beiden weniger zuverlässig macht.

Was unterscheidet einen guten Speicher-Standort?

In der Reihenfolge: Netzanschluss-Verfügbarkeit, Anschlussspannung, Flächengröße, Eigentumsverhältnisse, Wege-Recht, Bebauungsplan-Status. Die Zellchemie und das Container-Konzept sind verhandelbar. Der Standort ist es nicht.

Förderung — relevant oder nicht?

Im Großspeicher-Segment wird Förderung als sekundäres Element betrachtet. Die Wirtschaftlichkeit kommt aus der Vermarktung, nicht aus der Subvention. Das ist anders als bei Heimspeichern, wo KfW-Programme zentrale Treiber sind. Im C&I-Bereich liegt es dazwischen — Förder-Programme der Bundesländer können einen relevanten Capex-Anteil tragen.

Was würden Sie einem Projektentwickler raten, der jetzt einsteigt?

Erstens: Realistisch zur Zeitachse — drei Jahre vom Lead bis Inbetriebnahme sind eher die Untergrenze. Zweitens: Frühzeitig mit dem Übertragungsnetzbetreiber sprechen, nicht erst nach der Standort-Sicherung. Drittens: Den Direktvermarkter sorgfältig auswählen und die Vertragslaufzeit nicht über fünf Jahre hinaus binden — die Margenstruktur in der Vermarktung ändert sich zu schnell.

Was beobachten Sie für die nächsten zwölf Monate?

Drei Themen. Die Reform der Netzentgelt-Struktur — wenn Speicher als reiner Letztverbraucher behandelt werden, kollabieren einige Geschäftsmodelle. Die zweite Frage ist, wie schnell Sodium-Ion wirklich ankommt — wir warten auf die ersten Vergleichswerte aus realer Betriebsführung. Drittens die Abstimmung zwischen Direktvermarktung und Regelreserve, sobald die Zubau-Welle die Spreads enger werden lässt.

Was halten Sie für überschätzt?

Die Diskussion um Zellchemien jenseits des stationären Anwendungsfalls. Im stationären Großspeicher-Bereich ist LFP gesetzt, alles andere ist Nische. Was unterschätzt ist: die Bedeutung der EMS-Software. Da entscheidet sich der Unterschied zwischen 8 Prozent und 12 Prozent IRR.


Das Gespräch wurde redaktionell gekürzt und für die Lesbarkeit überarbeitet. Eine namentlich gezeichnete Fassung folgt nach Freigabe durch den Interviewpartner.

Quellen

  1. Gespräch geführt am [Datum offen — bitte aus offizieller Lieferung ergänzen]
  2. Folgegespräch zur Faktenprüfung am [Datum offen]